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The limbs all froze and my eyes won't close - Druckversion

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The limbs all froze and my eyes won't close - Amos - 04.05.2019

Der Sumpf war für gewöhnlich keiner der Orte, die er gerne aufsuchte. Diese Luft, diese ganze Atmosphäre... An diesem Ort wohnte der Tod - und dies nicht zuletzt, weil sie es sich zur Gewohnheit gemacht hatten, ihre Verstorbenen hier zur ewigen Ruhe zu betten - und Amos konnte sich des Gefühls nicht erwehren, dass jener Thanatos mit jedem Atemzug ein klein wenig tiefer in seinen Körper eindrang und sich ein kleines Stück seiner Seele einverleibte.
Gedulde dich.
Dennoch bewegte Amos sich mit einer Sicherheit über den weichen Boden, die durchaus bewundernswert war.
Sie ist dir doch ohnehin versprochen.
Als Fohlen war er häufig hier gewesen und auch wenn er es nicht weniger abstoßen gefunden hatte als heute, so war er der Sphäre mit mehr Spannung begegnet, was wohl einer allgemeinen infantilen Faszination geschuldet gewesen war. Seine Mutter hatte eine seltsame Beziehung zu diesem Ort gepflegt und ihr Kind mehrmals in der Woche hierher mitgenommen. Nach ihrem Tod hatte Amos den Sumpf nur noch ein einziges Mal betreten.
Dieser Ort war ihm zuwider.
Er beschleunigte seine Schritte ein wenig und bald schon hatte er ihn durchquert. Erreichte jenen Ort, an den es ihn zog.

---

Als Amos sich auf den Weg gemacht hatte, hatte die Sonne eben erst den höchsten Punkt ihres Laufs erreicht. Nun, als er auf dem Rückweg erneut den Sumpf betrat, senkte sie sich bereits dem Horizont entgegen. Der Tag war nahezu vorbei... doch es war keines Falls ein verlorener Tag gewesen. Ein kleines Hochgefühl pulsierte in seinem Inneren, doch Amos wusste, dass die Bande, welche er soeben geknüpft hatte, mehr waren als nur zart. Sie waren kühn, verderblich, gefährlich.... doch sie waren notwendig
Seine dunklen Augen fuhren am Horizont entlang, während der Braune dem schmalen Pfad folgte, welcher ein sicheres Vorankommen gewährte. Es war faszinierend, wie die Sonne begann, den Himmel in ein zartes Rosa zu tauchen, welches sich weiter gen Abend in ein klares Gelb wandeln würde. Im Herbst wäre es ein kräftiges Rot-Gold gewesen, das aussah, als stünde der gesamte Himmel in Flammen. 
Einem Inferno gleich....nanu?
Er wurde langsamer, hielt schließlich in seinen Bewegungen inne. Unweit vor ihm hob sich eine weiße Gestalt gegen das Grün des Sumpfgrases ab und Amos benötigte nicht mehr als einen Blick um zu erkennen, um wen es sich dabei handelte.
"Ashur, was tust du denn hier?"
ein freundliches Lächeln hatte sich auf den Zügen des Braunen gebildet, als dieser nunmehr auf den Schimmel zutrat. Tatsächlich wunderte es ihn, den Freund hier zu erblicken.


RE: The limbs all froze and my eyes won't close - Ashur - 05.05.2019

Willkommen am stinkensten Ort in ganz Valeria. Zunehmend erfüllte die Aura des Moores seine Sinne, die Luft war merklich kühler geworden, als der weiße Körper, einen unsichtbaren Pfad folgend, durch das lichte Geäst der Bäume brach. Der Sumpf schien ihn immer wieder wie magisch anzuziehen, löste in seiner Brust jedes Mal, wenn der Gestank seine Lungen füllte, ein Hochgefühl aus und ließ sein schwarzes Herz höher schlagen. Ashur war ein Wesen, welches die Einsamkeit schätze, sich regelrecht nach ihr verzehrte, sie mit jeder Faser seines Körpers mehr und mehr in sich aufnahm. Er war nicht dafür gemacht mit den anderen zu sein und ein unbeschwertes Leben inmitten unter ihnen zu führen. Die Krähen saßen wie Todesbringer auf den kahlen äster der Bäume und schrien ihr Klagelied heraus. Der Hengst konnte nur rätsel, was in ihren kleinen Gehirnen vor sich gehen mochte, machten sie sich über ihn lustig oder warteten sie nur auf ihre nächste Mahlzeit. Seine Mundwinkel zuckten, wohl wissend, dass es sich hier um nichts anderes als ein Massengrab handelte. Viele der Regnum mieden diesen Ort, schon allein aus dem Grund, weil hier so viele von ihnen ihr Ende gefunden hatten. Ashur konnte bloß darüber den Kopf schütteln, warum manche Mütter ihren Kindern diesen wunderbaren Ort vorenthielten, dabei sollten ihre Bälger doch genauso den Tod zu schätzen lernen wie das Leben. Ein verächtliches Schauben verließ die dunklen Nüstern, diese Verweichlichung der nächsten Generation war nun wirklich das letzte woran er einen Gedanken verschwenden wollte.

Der Weiße stach aus der Dunkelheit heraus, wirkte gar fehl an diesem Ort und doch senkte er das Haupt hinab und betrachtete schweigend den Morast zu seinen Hufen. Die dunklen Lippen rezitierten einige wenige Worten an die, die unter seinen Hufen lagen: "Und wenn ihr sterbt, so bin ich auch da, denn ich bin der, der dafür sorgt, dass ihr an einen besseren Ort kommt als an jenen, den ihr euch selbst einst geschaffen habt." Die Lider geschlossen und die Ohren in jene Richtung gerichtet, aus der er meinte dumpfe Schritte zu vernehmen. Sein Blick glitt zur Seite, musterte den Neuankömmling aus den Augenwinkeln,  ehe er sich aufrichtete und den Braunen seinen Kopf zuwandte. Ein plötzliches Lächeln, nachdem er Amos einige Atemzüge angestarrt hatte, ergriff die dunklen Lippen.
"Steht ein Begräbnis an?"
Suchend glitt sein Blick hinter Amos' Rücken "wo hast du denn den Ehrengast versteckt?" Ein Kichern des Weißen folgte, ehe er einige Schritte auf Amos zuging. "Gegenfrage, wer schickt dich an so einen trostlosen Ort?" Warum Ashur gerade jetzt zu scherzen pflegte, war ihm ein Rätsel, aber an Amos war ihm ebenfalls ein Lächeln aufgefallen.
Nun, trennten die beiden Körper nur noch wenige Zentimeter voneinander. "Ich für meinen Teil bevorzuge die Stille, denn manchmal reicht schon jemandes Atemzug aus, dass man sich wünschte, man würde ganz weit weg sein" fuhr der Hengst fort und der Kopf schwenkte in Richtung Morast: "Da sind mir die hier schon deutlich lieber." Seine Mundwinkel zuckten, wie viele Artgenossen er hier wohl noch verscharren musste?


RE: The limbs all froze and my eyes won't close - Amos - 07.05.2019

Wenngleich es den Braunen tief in seinem Inneren verstimmte, dass Ashur seine Frage so achtlos überging, hielt das Lächeln auf seinen Zügen stand; denn die Worte, die er stattdessen an Amos richtete, schafften es tatsächlich, den jungen Hengst zu amüsieren. Ihm gefiel die Art des Anderen. Diese Grobheit. Diese Ungeschliffenheit. Es war interessant. Und gleichermaßen gefährlich.
"Es ist nicht meine Aufgabe, für ein Begräbnis zu sorgen."
erwiderte der Braune und wenngleich der Tonfall seiner Stimme freundlich blieb, so schwebte doch ein 'Ich mache mir die Hände nicht schmutzig. Das ist dein Metier.' als unausgesprochene Aussage zwischen ihnen. Tatsache war, dass Ashur weitaus mehr über Amos wusste, als die meisten Anderen, die sich den Dahitaa angeschlossen hatten. Mehr. aber eben doch nur so viel, wie er ihn wissen lassen wollte.
Wer schickt dich...
Nun war es an Amos, aufzulachen, ehe sein Blick wieder den des Weißen einfing und für einen Augenblick war Trotz in ihm zu erkennen. Es gab niemanden mehr, der ihm Weisungen erteilte. Und Amos war Niemand mehr, der Weisungen empfing. Es war lediglich dem schalkhaften Tonfall geschuldet, dass der Braune diese Bemerkung als das aufnahm, als was sie gemeint war; ein Scherz.
Er hob den Kopf, den Blick noch immer in Ashurs Augen gelegt. Die Nähe, welche der Weiße ihm aufdrängte, war... atemberaubend. Im negativen wie positiven Sinne.
"Wie wahr." Er spürte, wie seine Stimme einen herausfordernden Tonfall anzunehmen drohte, doch konnte Amos es noch verhindern und stattdessen einen Anflug von Kälte in die Worte hauchen.
"Ich würde es außerdem bevorzugen, wenn du mir nicht ganz so nah auf den Leib rücken würdest."
Den herausfordernden Funken aus seinem Lächeln konnte Amos jedoch nicht vertreiben. Oder... vielleicht wollte er es auch nicht.


RE: The limbs all froze and my eyes won't close - Ashur - 07.05.2019

Seine Mundwinkel zuckten, als er den Braunen erneut musterte und den Worten Gehör schenkte. "Vielleicht wird es bald deine Aufgabe sein." Ein Gedanke und trotzdem wurde er dem anderen ins Gesicht gesagt. Sein Blick schwiff zum Morast hinüber. Ashur schonte niemanden mit seinen Worten, nicht mal das jüngste Fohlen, selbst dann nicht, wenn es sich gerade erst vorbei an Mutters Gedärmen gezwängt hatte. "Selbst deinem größten Feind solltest du die Ehre erweisen, ihn gebührend zu bestatten." Sein Blick richtete sich wieder auf Amos: "Du hast bestimmt viele Feinde Amos. Nun mehr als zuvor." Ashur wusste, dass sich der Braune mit seinem Abgang bei den Regnum nicht gerade beliebt gemacht hatte. Adaeze wollte immerhin seinen Kopf. "Du hast dein Maul neben Dalehaa ziemlich weit aufgerissen." Tadelnd schüttelte er den Kopf: "Aber deine Feinde sind von nun an auch die meinigen" ein Lächeln folgte, hätte er lieber schweigen sollen?

Der Weiße hatte Amos genau beobachtet und so war es ihm auch nicht entgangen, als sich dessen Mimik, wenn auch nur für den Bruchteil einer Sekunde, verändert hatte und er einem trotzigem Kind gegenüberstand. Aber das war okay, dass der Braune sich nochmals kurz wehren wollte, nochmals seinen Entschluss bekräftigen, und sich von den Regnum distanzieren wollte. Amos war noch jung und hatte schon alle Hände mit einer eigenen Herdenleitung zu tun. Ein Schmunzeln huschte über das helle Gesicht, ehe es in einem breiten Lächeln endete. 

Die Harmonie des Augenblicks war verpufft und Ashur neigte neugierig die Ohren nach vorn. Huh, kann da jemand mit körperlicher Nähe nicht so gut umgehen?
"Du bist kalt Amos." die weißen Ohren wurden beleidigend zur Seite geklappt.
"Wo wir doch nun der gleichen Herde angehören, sind wir da nicht so etwas wie eine Familie?"
Er konnte den Atem des anderen auf seinen Nüstern spüren. Ein Lächeln erklomm die dunklen Lippen.
"Und als Familie muss man doch zusammenhalten."

Seine Gedanken begannen zu rasen, er war niemand der sich Zusammenhalt, Unterstützung oder Mithilfe auf die Fahne geschrieben hatte, aber sein Herz hüpfte aufgeregt in seiner Brust, als er Amos Atem spüren - und seinen Herzschlag hören - konnte. Würde der Braune ihn jetzt angreifen? Würde er ihm so nützliche Informationen entlocken? Oder tat der Weiße dies nur um Amos aus seiner Reserve zu locken, seine Persönlichkeit ertasten wollend um hinter dieses stets lächelnde Gesicht zu blicken.

"Daleeah." Murmelte er plötzlich und blickte in die Iriden seinen Gegenübers: "Sie ist schön, nicht wahr?" Ashur kostete es unglaublich viel Mühe ein hämisch, gar dreckiges Grinsen zu verstecken.


RE: The limbs all froze and my eyes won't close - Amos - 07.05.2019

Was ihn beinahe noch mehr ärgerte als die Tatsache, dass Ashur genau wusste, wie er ihn zu nehmen hatte, war die, dass er sich durch dieses Verhalten tatsächlich beeinflussen ließ. Nicht verunsichern... aber reizen
Ohne mit den Lidern zu zucken, hielt er den Blick in Ashur's Augen aufrecht, selbst als dieser seinen Kopf noch näher an den seinen schob. Dieses dreckige Grinsen. 
"Ich neige lediglich dazu, die Wahrheit zu sagen."
kommentierte er die Aussage, er habe sein Maul zu weit aufgerissen. Und sie beide wussten in diesem Moment, dass die Wahrheit, von der Amos sprach, ein weitaus flexiblerer Begriff war als es in den Augen der meisten Anderen der Fall war.
Er hatte nicht einmal versucht, diese Tatsache vor Ashur zu verbergen.
Was den Rest anging... er hatte einen recht genauen Plan was seine Aufgaben waren, und seinem Feind irgendeine Form von Ehrerbietung entgegen zu bringen, gehörte definitiv nicht dazu. Diesen Part konnte - und würde - Ashur selbst einnehmen... wobei es dem jungen Braunen recht gleichgültig war, ob der Weiße ein paar letzte Worte für seine Opfer übrig hatte. Ging es nach Amos, so konnten ihre Gebeine stumm und auf Ewig vergessen in den Tiefen des Moors versinken.


Du bist kalt Amos.
Ob Ashur auch nur im Geringsten ahnte, welche Welle ungeahnter Hitze diese Aussage durch den jungen Körper schießen ließ? Kalt. 
"Das - "
er hielt die Nähe aufrecht, die ihn auf so merkwürdige Art berauschte und für diesen Moment wollte er tatsächlich nicht, dass Ashur seiner Order Folge leistete.
"- klingt aus deinem Mund wie eine dreiste Lüge."
Amos spürte, wie sich das Lächeln auf seinen Zügen derart intensivierte, dass es einen dunklen, verderblichen Akzent annahm. Gefräßig.
Sein Herz raste in der Brust. Trommelte einen rhythmischen Takt, welcher es ihm wahrlich schwer machte, seine Gedanken klar und in ihrer sorgsam konstruierten Form zu halten. Diese Situation kostete ihn so viel seiner disziplinierten Gelassenheit, dass er den Gedanken zulassen musste, diesem Spiel aus Provokation gleich ein Ende zu bereiten. Wenngleich diese erregende Stimmung etwas elektrisierendes hatte.
Letztlich war es jedoch Ashur, welcher das Gespräch in ruhigere Bahnen lenkte, auch wenn er es kaum vorgehabt haben dürfte.
Daleeah.
Das Lächeln auf Amos' Gesicht entspannte sich augenblicklich - eine Tatsache, welche dieser vollkommen bewusst nach Außen dringen ließ: Er wollte sehen, wie Ashur sich darüber ärgerte, dass diese Bemerkung ihr Ziel vollkommen verfehlte.
"Ein Mädchen, das tatsächlich in Jedem etwas Gutes zu sehen vermag. Vielleicht sogar in so einem Verderbten wie dir."
Er näherte sich nunmehr dem Weißen und wieder waren sie einander so nah, dass er die Wärme seines Körpers spüren konnte, die sich durch die kühle Luft des voranschreitenden Abends fraß.
"Gefällt sie dir?"
Besser als ich?


RE: The limbs all froze and my eyes won't close - Ashur - 07.05.2019

Ob Amos damit richtig lag? Er hatte sich neben Dalehaa stark gemacht und allen Mitgliedern einen Auftritt geliefert, den sie wohl nicht so schnell vergessen werden. Aber ob der Braune die Wahrheit gesagt hatte, Ashur hob einen Augenbrauenmuskel, schloss darauf dann doch die Lider, wissend das jeder ein Geheimnis zu verbergen hatte, welches er um jeden Preis behüten musste: "Oftmals lügen wir einander an, weil niemand die Wahrheit ertragen würde." Ashur presste die Lippen aufeinander, er war zwar auf vieles vorbereitet, aber über die zukünftigen Konsequenzen seines Doppelebens hatte er sich noch keine Gedanken gemacht. Etwas genervt zuckten seine Ohren, als Amos seinen Vortrag über die Bedeutung der letzten Ruhe für ihre Feinde, einfach so überging. "Schön. Wie du meinst." Schnaubte er und verzog verärgert das Gesicht: "Dann vergrabe sie wenigstens anständig, ihr Gestank wird sonst Bären und Wölfe anlocken." Ashur drehte den Kopf und blickte wieder in den Morast hinein, ein Ohr aber immer auf Amos gelegt. Ashur selbst hatte die Nähe zu dem Braunen gesucht und so zwang er sich wieder dem Hengst anzusehen. Interessiert spitzen sich sein Ohren, dass dem Braunen einmal die Worte fehlen würden hätte er nicht gedacht. Doch das Schweigen beider benötigte auch keine weiteren Worte mehr. Ashur spürte sein Herz gegen seinen Brustkorb springen und es schien als würde die Luft zwischen ihnen knistern.
Ashur befürchtete schon Amos könnte seinen Herzschlag hören, der einem Donner gleich seine Brust erfüllte, als AmosWorte seine Ohren erreichten. "Ach ja?" Hatte er ihn durchschaut? Nein, niemals, nicht er. Seine Kehle wurde trocken, er hatte doch schon immer gewusst, dass die Nähe zu anderen auch gewisse Gefahren mit sich brachte. Er schluckte: "Wenn du meinst." Ein Lächeln zierte seine Lippen, doch der Weiße war durchaus verunsichert, wie er nun weiter verfahren sollte. Er biss die Zähne zusammen und schüttelte die vorherigen Gedanken ab - wie konnte Amos ihn nur so aus der Fassung bringen.

Es ließ ihn innerlich aufatmen, dass sich diese, durchaus angenehme, Situation wieder entspannte. Ashur hörte seine Worte, innerlich begann er zu brodeln. Dies war nicht das, was sein Auftraggeber hören wollte. Dies war nicht das, was er hören wollte. Der Weiße brachte nur ein schiefes Lächeln zustande, Amos hatte ihm die Worte im Maul herumgedreht. "Glaube mir, sie würde mich nicht wollen." Er wollte es nicht einmal bei ihr versuchen, sie war lediglich ein Objekt, welches er zu beschatten hatte, nicht mehr und nicht weniger. Ashur hatte in seine Rolle zurückgefunden und nun waren seine Worte auch bestimmter.
Amos schloss zu ihm auf, überwand mit wenigen Schritten die Distanz, welche er aus Eigenschutz heraus bewahren wollte. Gefällt sie dir? Diese Worte hallten in seinem Kopf wieder, ein nervendes Echo. Ashur war nun so nah an Amos herangetreten, dass er ihn jederzeit berühren konnte, doch er zögerte, verbannte die Gedanken an seinen Verrat aus seinem Hirn.  Seine Stimme war rau, als er nun Amos ansah "Nein."
"Du bist viel schöner."


RE: The limbs all froze and my eyes won't close - Amos - 08.05.2019

Triumph!
Dieses süße Gefühl flutete seine Blutbahn, ließ eine euphorisierende Hitze durch seinen Körper wallen. Es war ähnlich dem, welches er in der letzten Nacht nach dem Gespräch mit Thiadara verspürt hatte und doch von anderer Natur. Irgendwie... intensiver. Und doch konnte er es nicht so genießen, wie er geglaubt hatte. Ein bitterer Beigeschmack hatte sich in seinem Mund ausgebreitet, ließ den Gedanken schal schmecken.
Dass Ashur so decouragiert antwortete, missfiel dem Braunen. Mehr noch, er spürte den Anflug eines schlechten Gewissens in den hintersten Winkeln seines Bewusstseins aufkeimen. Ein Fakt, welchen Amos nicht nur nicht erwartet hatte, sondern welchen er tatsächlich nie zuvor ehrlich empfunden hatte. 
Als der Weiße für einen Moment den Blick abwandte, presste er die Kiefer aufeinander, so fest, dass er glaubte, die Knochen müssten unter diesem Druck zerbersten.
Dass Ashur es so einfach geschafft hatte, ihm seinen Sieg zu verderben... ihm stattdessen Unmut einimpfte. 
Es frustrierte ihn in einem ungeahnten Maß.
Und plötzlich überkam ihn eine kochende Wut, die jeden seiner Gedanken in ein glühendes Rot tauchte. Er wollte toben, wollte Ashur anschreien, sich nicht so leicht entmutigen zu lassen, wollte ihm dieses dreckige Grinsen ins Gesicht meißeln, mit welchem er ihn so oft bedachte und diese süffisant herablassende Art aus ihm herausziehen, die ihn gleichermaßen anzog und anwiderte.
Dass er ebenso schlagartig wieder aus seinem Zorn herausfand, war dem schlichten und einfachen 'Nein' geschuldet, welches Ashur ihm lieferte. Vollkommen schmucklos und doch war es genau das, was der Braune gebraucht hatte.
Er atmete ein, konnte nicht verhindern, dass die letzten Wellen seiner Wut sichtbar durch seinen Körper rollten und sich in einer rauen, gehässigen Antwort offenbarten.
"Oh, dass sie dich nicht wollen würde, steht außer Frage. Keiner, der bei Verstand ist, würde das."
Er hob den Kopf, auf diese Weise die Nähe zerbrechend, welche zwischen ihnen herrschte, wenngleich es ihn innerlich fast zerriss. Doch er wollte die Kontrolle über sich behalten und der Ausbruch, welcher sich soeben in ihm vollzogen hatte, war ein eindeutiges Zeichen dafür, dass er sie zu verlieren im Begriff war. Ashur war gefährlich. Nicht, weil er einen skrupellosen, tödlichen Ruf hatte... sondern weil er in der Lage war, Amos aus seiner Perfektion zu locken. Niemand sonst konnte dies. Niemand sonst war fähig, ihn zu provozieren und dazu zu bringen, dass er den Wunsch entwickelte, ihm zu gefallen. Niemand sonst hatte eine solche.... Macht über ihn.
Und genau aus diesem Grund musste Amos ihn bei sich behalten. Ein Teufelskreis. Sei deinen Freunden nah. Doch deinen Feinden noch näher...
'Sag Ashur… bist du mein Feind?'
Amos' dunkle Augen musterten das Gesicht des Anderen. Als er zu Sprechen anhob, war seine Stimme wieder ruhig. 
"Wo warst du letzte Nacht?"
Ein freundliches Lächeln begleitete diese Frage. Unschuldig.


RE: The limbs all froze and my eyes won't close - Ashur - 08.05.2019

Erneut glitten die schwarzen Iriden über den Körper des anderen. Die Ohren gespitzt, wartete der Verräter gespannt auf eine Antwort. Er war gut darin  das zu bekommen was er wollte, was von ihm verlangt wurde, selbst wenn er dafür seine kostbare Zeit opfern musste. Ein siegessicheres Lächeln thronte auf seinen Lippen, als er die angespannten Muskeln seines Gegenübers bemerkte und ein nicht zu übersehnter Schauder, von seinem Körper Besitz ergriff. Ashur wollte diesen Hengst provozieren, ihn mit jedem seiner Worte mehr Zorn einhauchen. Er wollte sehen wie Amos sein Gesicht verlor, der Weiße wollte ihn toben sehen, vor Wut schäumend sollte er auf ihn losgehen.
"Komm schon Amos....spricht unbedacht und versuch es doch, mich in Stücke zu reißen! Verdammt. Ashur kniff die Augen zusammen, seinem Gegenüber konnte man nicht so leicht aus der Reserve locken, schon gar nicht, wenn man etwas von ihm wollte, Informationen über seine Pläne mit den Dahitaa und der Anführerin. Frustration rumorte in seinem Inneren, doch als er nur kurz über Amos Worte nachdachte, wollte er auf sie eingehen. Nur dieses eine Mal.
"Und was ist mit dir?" Ein dreckiges Grinsen schlich sich auf die dunklen Lippen, die Ohren gespitzt und die Muskeln angespannt. "Bist du denn bei klarem Verstand?"  Wenn Amos nun nichts brauchbares liefern würde, musste Ashur wohl umdenken und diese Tatsache missfiel ihm sehr. Es würde eindeutig mehr Zeit brauchen ihn zu bearbeiten, um ihn schließlich gefügig zu machen. Der Weiße nahm sich vor Amos klein zu halten, ihn nicht zu nah an sich heran zu lassen, nur so nah, dass er ihm nicht gefährlich werden würde.

Ein Brummen rumorte in der weißen Brust, als der Braune die Nähe brach und ein Lächeln aufsetzte, das er einem dummen Fohlen gestohlen hatte. Tse. Am liebsten hätte Ashur den anderen in den Morast gestoßen, nur um dieses widerliche Lächeln auf seiner Visage nicht noch einmal sehen zu müssen. Was er letzte Nacht getrieben hatte? Das geht dich nichts an. Seine Gedanken waren dunkel, er hielt sie verschlossen, weil sie drohten aus ihm herauszubrechen, Ashur war bedacht darauf alles um seine Person zu hüten. Wenn jemand ihm bei dieser Angelegenheit zu nahe kommen würde, dass würde er den Lebensfaden dieses Dummkopfes wohl kappen müssen. Einen anderen Ausweg würde es nicht geben, bevor man plaudern und tratschen würde.

"Und wenn ich dir erzählen würde, ich hätte die Nacht mit einem wunderschönen Mädchen verbracht, würdest du es mir auch glauben?"
Ein Grinsen huschte über sein Gesicht, bevor er seufzte und sich zwang Amos einen Teil von seinen nächtlichen Aktivitäten zu berichten. "Nun gut, wenn du es unbedingt wissen willst du Kontrollfreak, ich bin unsere Grenzen abgeschritten. Die. Ganze. Nacht."
Ashur musste ja nicht erzählen, dass er im Feindesland unterwegs gewesen war und die unsichtbaren Trennlinie auch bewusst überschritten hatte.
"Und wo warst du? Du hast mich doch beobachtet und hast sicherlich den Drang verspürt mir nachzulaufen, nicht wahr?" Sein Gesicht kam Amos wieder nahe, die dunklen Iriden bohrten sich regelrecht in die seines Gegenübers.. "Also, was hat dich davon abgehalten?"


RE: The limbs all froze and my eyes won't close - Amos - 09.05.2019

Da war es wieder. Dieses Grinsen.
'Und was ist mit dir?'
Er hielt sein Lächeln aufrecht, schloss die Augen einen kurzen Moment. Nicht, weil er erschöpft war... wenngleich diese Begegnung ihn tatsächlich so viel Energie kostete, dass Amos versucht war, Ashur mit einem Vampir auf eine Stufe zu stellen.
Es war eine Delusion Amos', ein mimischer Trick und das Schweigen des Braunen komplettierte den Bluff. Nach Außen hin wirkte er ruhig, zwar amüsiert, aber gefasst. So als sei die Frage des Weißen rein rhetorischer Natur und keiner Antwort würdig. Innerlich hingegen war Amos so nah daran, die Beherrschung zu verlieren, dass es ihn eine unendliche Masse an Kraft kostete, diese Tatsache unter dem perfekten Schauspiel zu verbergen, welches er in diesem Moment darlegte. In Gedanken schnurrte er ihm Worte entgegen. Nein. Nein, natürlich bin ich nicht bei klarem Verstand.
Mittlerweile hatte die Sonne einen Großteil ihrer Kraft verloren, nur noch schwach schimmerten die letzten Reste ihrer Strahlen über den Horizont hinaus. Ein kühler Windstoß fuhr über das Moor, erinnerte daran, dass der Frühling noch jung und die Nacht lang und kalt war. Doch war es nicht das, was dem Braunen ein Frösteln durch den Körper jagte. Es war der Geruch, welchen der Wind in sich trug. Dieser dreckige Gestank von brackigem Wasser und fauligem Holz. Dieser Atem des Todes.
Amos' Augen bohrten sich in die des Anderen. Dieses weiße Scheusal würde sein Schicksal sein. Diese Ahnung hämmerte sich selbst in diesem Moment mit nicht zu ignorierender Wucht in seinen Schädel. Die Frage war nur... in welcher Form.
Das Lächeln auf Amos' Zügen wurde dunkler, nahm nahezu infame Züge an und als Ashur wieder zu sprechen anhob, spürte Amos, wie eine beißende Eifersucht in ihm aufkam, wenngleich er wusste, dass es nur eine billige Lüge gewesen war. 
Er wollte ihn für sich. Für. Sich. Allein.
"Nein."
Die Antwort auf die ersten drei von Ashur gestellten Fragen tropfte wie heißes Blei von seinen Lippen, während der Braune es noch immer schaffte, seinen Körper in vollkommener Ausgeglichenheit zu halten. Lediglich der Tonfall seiner Stimme hatte wieder einen bissigen, einen hämischen Tonfall angenommen.
"Nun... ich war tatsächlich mit einem wunderschönen Mädchen beschäftigt."


RE: The limbs all froze and my eyes won't close - Ashur - 09.05.2019

Er beobachtete ihn wieder. Mit seinem treuem Lächeln, den amüsiertem Zucken der Mundwinkel und treu blickenden Augen. Die Tatsache, dass der andere ihn einfach nur anstarrte und kein einziges Wort sein Maul verließ, machte den Weißen nicht besonders glücklich. Amos wirkte wie treuer Hund, der einfach nickte wenn er gefragt wurde und mit keinem Zucken die Entscheidungen der Obrigkeiten in Frage stellte. War er überhaupt sein eigener Herr oder nur ein Laufbursche. Sag Amos, bist du denn ein Hund? Seine Mundwinkel zuckten voller Amüsement ...ein Stiefellecker? Was mochte wohl im Kopf des Braunen vorgehen, woran dachte er gerade oder über wen dachte er nach? Die beiden Pferde schwiegen, lieferten sich ein Blickduell, das braune Fell zuckte, was den wachsamen Augen Ashurs nicht entging. Der Wind hatte aufgefrischt und auch dem Weißen stieg der Geruch nach Fäulnis in die Nüstern. Seine Iriden taxierten seinen Gegenüber von Neuem und er war sogar gewillt zu sprechen, um diese erdrückende Stille auf seinen Ohren zu vertreiben. Neugierig legte sich der weiße Kopf in eine Schräglage, als Amos Lächeln breiter wurde und er nur ein einziges Wort herausbrachte. Aber dieses einfache ´Nein´ reichte aus um dem Weißen innerlich einen Schauer durch den Körper zu jagen. Hatten seine monotonen Worte bei Amos die gleiche Wirkung erzielt? Hatten sie ihn angestachelt? Ashur verspürte Gänsehaut, Aufregung durchfuhr seinen Körper und das Herz begann schneller zu schlagen. Er hing an Amos Lippen, begierig darauf seine Antwort zu hören. Der weiße lauerte, die Augen wurden zusammengekniffen und die Ohren gespitzt.

Ein Grinsen erschien auf den dunklen Lippen, während Amos noch sprach, es wurde breiter und Ashur konnte nicht mehr an sich halten. Sein Körper bebte, plötzlich riss er den Kopf in den Nacken und all die aufgestaute Energie in Inneren brach als ein surreal klingendes Lachen aus ihm heraus.

"Heh, Amos du beliebst zu scherzen." Der amüsierte Gesichtsausdruck blieb bestehen und die nächsten Worte kündigten ehrliche Neugierde und Interesse an: "Aber erzähl mir mehr, ich bin ganz Ohr." Ashur hüpfte fast vor Aufregung, einem jungen Fohlen gleich, schien er fast zu platzen, begierig auf die nächsten Worte. Das Amüsement war nun doch einem eisernen Gesichtsausdruck gewichen, aber nicht vollends verschwunden. "Wer ist dieses Mädchen? Ist sie von hier?" Er verstummte. Doch ein dreckiges Grinsen zerschnitt das weiße Gesicht, als es dem Anderen wieder näher kam: "Oder hast du es mit einer dieser dreckigen Ratten von den Regnum getrieben?"